Flöhe

Katzenfloh © Bayer HealthCare, Bayer Vital GmbH, Leverkusen

Flöhe sind holometabole Insekten das heißt sie machen eine Entwicklung von Ei über Larve und Puppe zum erwachsenen Floh durch. Es gibt über 2000 Arten von denen etwa 70 Arten in Mitteleuropa nachgewiesen wurden. Bei Hund und Katze kommt am häufigsten der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) und seltener (auch beim Hund) der Hundefloh (Ctenocephalides canis) vor. Auch Igelflöhe (Archaeopsylla erinacei) und andere sind ab und zu nachweisbar. Flöhe besitzen keine Flügel. Zur schnellen Fortbewegung haben sie kräftige Hinterbeine, die ihnen sehr weite Sprünge ermöglichen. Sie leben parasitär in dem sie Blut an warmblütigen Tieren saugen. Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben stecken sich unsere Hund und Katzen nur sehr selten bei anderen Tieren an, in der Regel kommt die Infektion aus der Umgebung. Die Flöhe bei Hund und Katze sind stationäre Parasiten, die im Erwachsenenstadium ihren Wirt nur im Ausnahmefall verlassen. Der Wirt ist eine sichere Nahrungsquelle. Beim Sprung auf ein anderes Tier, ginge der Floh das Risiko ein vorbeizuspringen und dann möglicherweise zu verhungern. Ein befruchtetes Flohweibchen legt schon ca. 3 Stunden nach der Blutmahlzeit Eier auf dem Wirt ab. Ein Flohweibchen legt im Durchschnitt ca. 27 Stück/Tag, maximal 50/Tag, bis zu 3000 in seinem Leben. Dies führt zu einer explosionsartigen Vermehrung der Flöhe. Man geht davon aus, dass nur ca. 5% der Population als erwachsener Floh auf dem Wirt lebt. Ca. 95% der Population sind als Eier, Larven und Puppen in der Umgebung verteilt. Die Eier sind nicht größer als ein Sandkorn und ohne Vergrößerung kaum zu erkennen. Diese haben eine sehr glatte Oberfläche und fallen überall dort wo der Wirt sich hinbewegt runter. Er verteilt sie wie ein Salzstreuer in der Umgebung. Je nach Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit schlüpfen die Larven nach maximal 10 Tagen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Flohkot, der v.a. aus unverdautem Blut besteht. Die Flohlarven sind lichtempfindlich und verkriechen sich deshalb in dunklere Bereiche (unter dem Sofa, in den Ritzen des Sofas, unter dem Schrank, in Teppichen wandern sie nach unten in den Flor hinein. Nach 2 Häutungen verpuppt sich die Larve. Die Oberfläche der Puppe ist so klebrig, dass schnell kleine Schmutzteilchen hängen bleiben. Das Puppenstadium dauert unter normalen Bedingungen ca. 8-9 Tage, bei ungünstigen Bedingungen kann ein Floh bis zu einem halben Jahr verpuppt bleiben. Durch Wärme, Erschütterungen und CO2-Anstieg in der Umgebung entpuppt sich der Floh innerhalb von Sekunden und springt auf seinen zukünftigen Wirt. Nicht selten kann dabei auch der Mensch als Fehlwirt befallen sein.

Erkrankungen durch Flohbefall
Ein geringer Flohbefall bleibt oftmals unentdeckt, da außer bei Flohspeichelallergie, der Juckreiz in diesem Fall nur gering ist. Dadurch ergibt sich das Problem, dass bei Entdeckung des Flohbefalls häufig schon die ganze Umgebung des Tieres mit Floheiern, Larven und Puppen verseucht ist. Bei stärkerem Befall verursachen Flöhe Juckreiz, Irritationen und extremes Unwohlsein. Durch das Verschlucken von Flöhen (bei der Fellpflege) können sie Bandwürmer (Gurkenkernbandwurm = Dipylidium caninum) übertragen, da der Floh diesem als Zwischenwirt dient. Bei starkem Befall kann sogar eine Anämie (Blutarmut) die Folge sein. Auch Flohspeichelallergien können ausgelöst werden. Hat ein Tier eine Flohspeichelallergie, reicht schon ein Floh aus um einen extremen Juckreiz auszulösen. Bei Katzen kann der Floh Mykoplasmen (Erreger der felinen infektiösen Anämie), Bartonella henselae (Erreger der Katzenkratzkrankheit) oder Rickettsia felis übertragen. Die Katzenkratzkrankheit ist eine Zoonose (für den Menschen infektiös) und führt beim Menschen zu verschiedenen Problemen: kleine Hautknötchen (Papeln), Lymphknotenschwellungen, seltener auch zu Fieber, Kopf und Gliederschmerzen. Bei immungeschwächten Menschen können auch weitere Komplikationen auftreten.

Wie diagnostiziere ich einen Flohbefall
Juckreiz ist das Kardinalsymptom bei Flohbefall. Flöhe sind meist mit bloßem Auge auf einem Tier nicht zu finden. Je dunkler, länger und dichter das Fell ist umso schwieriger wird es. Sehr gut funktioniert der Nachweis von Flohkot: mit einem engzackigen Kamm (Flohkamm) kämmt man das Tier ganz nah an der Haut aus. Das ausgekämmte Material auf ein feuchtes weißes Tuch (z.B. Küchentuch oder Taschentuch) geben. Da Flohkot v.a. aus unverdautem Blut besteht, verfärbt sich das Tuch rund um das Material rötlich. Bei einem frischen oder sehr geringen Flohbefall, kann der Test allerdings versagen.

Flohbekämpfung
Wichtig ist eine Behandlung aller Tiere im Haushalt mit einem Insektizid um erwachsene Flöhe auf dem Tier abzutöten. Bei Tieren mit Flohspeichelallergie ist es wichtig Insektizide mit einem sogenannten Knock-Down-Effekt einzusetzen, damit der Floh möglichst schon vor dem ersten Stich stirbt. Da dies leider nicht immer funktioniert und auch beim besten Insektizid alle Flohweibchen vor der ersten Eiablage abgetötet werden können, ist die Kombination mit einem Insektenentwicklungshemmer sinnvoll. Bei der Kombination mit einem Entwicklungshemmer bleibt eine erneute Eiablage ohne Folgen. Wichtig ist, dass Insektizid und Entwicklungshemmer regelmäßig in vom Hersteller angegebenen Intervallen behandelt angewendet werden. Die intensive Reinigung der Aufenthalts- und Lebensräume der Tiere ist ein weiterer wichtiger Punkt. Dabei muss man v.a. das Verhalten von Tier (wo bewegt es sich überall) und Flohlarve (sucht die Dunkelheit) bedenken. Wiederholt täglich gründlich saugen, Beutel entfernen (Auto nicht vergessen!). Decken, Schlafunterlagen etc. waschen oder entsorgen. Wichtig ist, dass man die Tiere nicht von Bereichen, wo sie vorher waren, aussperrt. Denn dann nutzt man sie als „Flohfänger“. Die in den Puppen wartenden Flöhe der Umgebung springen auf ihren bevorzugten Wirt, sterben dann aber durch das Insektizid auf dem Wirt. Sperrt man die Tiere aus, sucht sich der Floh einen Ersatzwirt – der Mensch! Bei einem deutlichen Flohbefall muss auch die Umgebung mit Insektizid, optimal auch in Kombination mit einem Entwicklungshemmer, behandelt werden.

Gründe für ein Versagen der Flohbekämpfung:

  • herabgesetzte Wirksamkeit eines eingesetzten Präparates durch Baden
  • Spot on Präparat falsch aufgetragen – nicht direkt auf die Haut sondern auf die Haare
  • nicht alle Tiere im Haushalt behandelt
  • überlebende Larven und Eier in unbehandelten Wohnungsbereichen
  • regelmäßiger Kontakt zu Tieren mit Flohbefall (z. B. Wildtiere wie Igel, Eichhörnchen) oder Umgebungen die verseucht sind

Wichtig ist auch an die Wurmkur nach der Flohbekämpfung zu denken: Flöhe sind Bandwurmüberträger!

Wichtig ist, eine regelmäßige Flohprophylaxe durchzuführen!

Flohprophylaxe

1. Tiere mit sehr geringem Risiko – kein Freigang und kein Kontakt zu anderen Tieren außerhalb des Haushaltes:

  • Tiere regelmäßig bei der Fellpflege auf Flöhe untersuchen

2. Tiere mit normalem Risiko – regelmäßiger Freigang und Kontakt zu anderen Tieren außerhalb des Haushaltes. Diese Tiere sollten ganzjährig gegen Flöhe geschützt werden:

  • sollte das Tier nicht unter einer Flohspeichelallergie leiden und in einer Umgebung mit geringem Infektionsdruck leben (kalte Jahreszeit, wenig Kontakt mit anderen Tieren, geringe Tierpopulation in der Umgebung): in diesem Fall kann die alleinige Anwendung eines Insektenentwicklungshemmers ausreichen. Sollte es dann trotzdem einmal zu einem Flohbefall kommen, reicht i.d.R. die einmalige Anwendung eines Insektizids, da die abgelegten Floheier sich nicht entwickeln konnten.
  • bei einem höheren Infektionsdruck ist v.a. in der wärmeren Jahreszeit die regelmäßige Anwendung von Insektiziden in Kombination mit einem Insektenentwicklungshemmer anzuraten. Im Winter kann evtl. nur ein Insektenentwicklungshemmer genutzt werden.

Zusätzlich sollten Schlaf-, Liege- und Lieblingsplätze der Tiere regelmäßig gereinigt bzw. gewaschen werden.

3. Tiere mit Flohspeichelallergie – bei diesen Tieren sollte das Risiko auf einen Kontakt mit Flöhen möglichst minimiert werden

  • Kontakt mit Risikotieren und Risikoumgebungen vermeiden (z.B. Igel, ungepflegte Tiere, Tierheime)
  • konsequente ganzjährige Anwendung von Insektiziden mit  Knock-Down-Effekt in Kombination mit einem Insektenentwicklungshemmer

Natürlich sollten auch hier Schlaf-, Liege- und Lieblingsplätze der Tiere regelmäßig gereinigt bzw. gewaschen werden.

Bei einem Flohbefall bei Tierhalterinnen und Tierhaltern ist v.a. die konsequente Flohbekämpfung beim Tier wie oben beschrieben wichtig! Zusätzlich sollten Kleidung und Bettwäsche häufiger gewechselt und gewaschen werden.

© Novartis Tiergesundheit

 

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